Lehren und Lernen in der Sekundarstufe I - Der Jahresrhythmus

Nicht alle von jungen Menschen für das Privat- und Berufsleben in einer demokratischen Gesellschaft benötigten Fähigkeiten und Fertigkeiten können im Fachunterricht oder in den wöchentlich ergänzenden Angeboten aufgebaut werden. An der IGS Lengede wird daher der Fachunterricht durch andere Lernarrangements ergänzt. Dazu wird mehrfach jährlich der Wochenrhythmus unterbrochen.

Projekte

Die jährlich stattfindenden Projekte sind nicht mit sogenannten Projektwochen, wie sie viele andere Schulen praktizieren, zu verwechseln. An der IGS Lengede beginnt die Vorbereitung auf das Projekt bereits mehrere Wochen vor Beginn der Projektphase. Jede Schülerin und jeder Schüler sucht sich ein Thema aus, das ihn besonders interessiert. Die Wahl ist entweder völlig frei oder in ein Rahmenthema eingebettet. Viele Schüler entscheiden sich dafür, das Projekt zusammen mit einem Partner oder in einer Kleingruppe durchzuführen. Die Schüler erstellen einen Projektplan, der das Projektziel, Hinweise auf benötigte Ressourcen sowie einen Zeitplan enthält. Dieser wird der Lehrkraft oder der Klasse vorgestellt, dort kritisch hinterfragt und ggf. angepasst.

In der über ein bis zwei Wochen laufenden Projektphase arbeiten die Schüler an ihren individuellen Projektthemen. Am Tagesende reflektieren sie ihre Tagesarbeit und vergleichen sie mit der ursprünglichen Planung. Anschließend wird ein detaillierter Projektplan für den kommenden Tag vorbereitet.

Am Ende der Projektphase präsentieren alle Schüler ihre Ergebnisse vor der Klasse. Die interessantesten Präsentationen werden von der Klasse ausgewählt. In einer großen Abschlussveranstaltung, an der der gesamte Jahrgang in der Aula teilnimmt, werden ausgewählte und herausragende Projekte erneut vor großem Auditorium vorgestellt.

Jede Schülerin und jeder Schüler hat am Ende der Projektphase in der Regel ein Spezialwissen aufgebaut, das deutlich über dem der anderen Schüler liegt. Er ist Experte. Das Entscheidende ist jedoch nicht das erlangte Wissen. Wertvoll sind die Projektphasen, da sie es den Schülern ermöglichen, auf Basis ihres Leistungsstandes über sich hinauszuwachsen. Die Kinder und Jugendlichen tanken in den Phasen Selbstbewusstsein und werden in ihrer Selbsteinschätzung gestärkt. Sie lernen langfristig größere Anliegen zu planen und vor großen Gruppen zu präsentieren. In Studium und Beruf ist projektorientiertes Arbeiten heute eine Selbstverständlichkeit. Durch die jährliche Realisierung mindestens eines Projekts dieser Art verlassen die Schüler die Schule mit den Kompetenzen, die für eine erfolgreiche Projektarbeit in Studium und Beruf notwendig sind.

Themenwochen

Im Gegensatz zum Projekt wird der Wochenrhythmus (Stundenplan) während der Themenwochen nicht aufgehoben. In den jährlich durchgeführten Themenwochen wird in der Mehrheit der Fächer an einem gemeinsamen Rahmenthema gearbeitet. Das Rahmenthema wird unter der Perspektive des jeweiligen Fachs betrachtet. Die Schüler erfahren dadurch sehr konkret, welchen Beitrag das einzelne Fach zum Verständnis der Welt beiträgt. Möglichkeiten und Grenzen des Fachs, seiner Methoden und Inhalte werden deutlich.

Die Einbettung des Unterrichtsgegenstandes in einem fächerübergreifenden sinnstiftenden Kontext hat darüber hinaus lernpsychologische Vorteile. Neue Erkenntnisse werden um so besser behalten, je intensiver sie mit anderen Erfahrungen und anderem Wissen verknüpft sind.

Expertentage

Das Wissen und die Fähigkeiten von Lehrkräften sind naturgemäß begrenzt. Bei bestimmten Themenbereichen lässt sich die Wirksamkeit schulischen Lernens dadurch signifikant erhöhen, dass authentische (reale) Experten in den Unterrichtsablauf integriert werden. Dieses bietet sich insbesondere bei sensiblen Präventionsthemen an. Beispielsweise arbeitet die IGS Lengede zur Prävention in den Bereichen Sucht, Schulden, AIDS, Gesundheitsförderung und Medienmissbrauch mit externen Experten zusammen. Die Experten kommen aus Selbst- und Fremdhilfeeinrichtungen, sind direkt oder indirekt Betroffene oder haben professionell mit dem Thema, z.B. als Polizist oder Arzt, zu tun.

Außerschulische Lernorte

Der Besuch außerschulischer Lernorte stellt an der IGS Lengede eine Selbstverständlichkeit dar. Es gibt an den Fachunterricht angegliederte Besichtigungen, Veranstaltungsbesuche oder Exkursionen. Zum Aufbau sozialer Kompetenzen werden in der Klassengemeinschaft jährlich Tagesfahrten unternommen und erlebnispädagogische Angebote wahrgenommen.

Alle zwei Jahre gibt es eine einwöchige Klassenfahrt mit einem ausführlichen Programm. Wir nehmen auch bei Klassenfahrten unseren Bildungsauftrag sehr ernst, indem wir dafür Sorge tragen, dass die Kinder und Jugendlichen mit vielen neuen Anregungen und Erfahrungen zurückkommen.

Ergänzt werden die Klassenfahrten um optionale Fahrten ins Ausland, um internationale und interkulturelle Schüleraustausche, um Sprachreisen und um Sportfahrten. Hier werden aktuell neue Kontakte geknüpft, um diesen Bereich auf eine fundierte Basis stellen zu können.

Studien- und Berufsorientierung

Die Studien- und Berufsorientierung setzt bereits mit Klasse 5 ein. Beim jährlich angebotenen Zukunftstag erhalten unsere Schüler die Möglichkeit, einen Arbeitsplatz vor Ort kennenzulernen. An der IGS Lengede steht der Zukunftstag in jedem Schuljahr unter einem anderen Motto. So stellen wir sicher, dass der Jugendliche beim Verlassen der Schule Einblicke in ganz unterschiedliche Berufsbereiche genommen haben.

Im Fachunterricht unterschiedlicher Fächer und Jahrgänge sind Unterrichtseinheiten etabliert, die explizit dem Thema Studien- und Berufsorientierung dienen. So werden z.B. im Deutschunterricht betriebliche Abläufe als Anlass für Vorgangsbeschreibungen genommen oder es wird das Schreiben von Bewerbungen geübt. In anderen Fällen werden externe Experten eingeladen, um über die Anforderungen in Ausbildung und Studium zu berichten und Trainings durchzuführen. Ein dreiwöchiges Betriebspraktikum stellt für die Schüler i.d.R. den Höhepunkt der Studien- und Berufsorientierung dar. Die Schüler dokumentieren das Praktikum, reflektieren ihre Erfahrungen und stellen die im Praktikum ausgeführten Tätigkeiten in Beziehung zu dem generellen Berufsbild bzw. Ausbildungs- oder Studienverlauf.

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