Lehren und Lernen in der Sekundarstufe I - Der Wochenrhythmus

Schule hat - wertfrei ausgedrückt - immer eine Aufgabe. Sie dient dazu, dass nach Beendigung des Unterrichts Schülerinnen und Schüler mehr Fähigkeiten und Fertigkeiten haben als vor dem Unterricht. Es geht also nicht um Wissen allein. Es geht vielmehr um Kompetenzen. Kompetenzen sind individuell verfügbare kognitive Fähigkeiten und Fertigkeiten, bestimmte Probleme zu lösen. Hinzukommen muss die Bereitschaft und Fähigkeit, die Kompetenzen in unterschiedlichen Situationen zur Problemlösung erfolgreich und verantwortungsvoll zu nutzen.

Kompetenzerwerb im Fachunterricht

Mehrere Wochen vor Beginn einer Unterrichtseinheit entscheiden die im Jahrgang ein Fach unterrichtenden Lehrkräfte gemeinsam, welche Kompetenzen in der Unterrichtseinheit neu aufgebaut und welche explizit gesichert werden sollen. Als Grundlage dient uns dabei ein in mehrjähriger Arbeit selbst entwickeltes Kompetenzraster. Es konkretisiert die vom Kultusministerium herausgegebenen Kerncurricula und weist aus, über welche Kompetenzstände und Ausprägungsgrade die Schüler am Ende eines Doppeljahrgangs verfügen sollen.

Da Schüler je nach Themengebiet unterschiedlich leistungsstark sind (siehe Blog Unsere Haltung), wird der erwartete Kompetenzzuwachs auf drei Niveaustufen ausgewiesen:

  • Anforderungsebene 1 (Mindestanforderung): Das erwarten wir von allen Schülern.
  • Anforderungsebene 2 (Regelanforderung): Das erwarten wir in diesem Themengebiet von durchschnittlich leistungsstarken und interessierten Schülern.
  • Anforderungsebene 2+ (Zusatzanforderung): Das erwarten wir in diesem Themengebiet von leistungsstarken und besonders interessierten Schülern.

Unterricht planen wir konsequent auf den drei Niveaustufen. Sowohl im Plenum als auch in Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit wird den Schülern im Sinne der Differenzierung ermöglicht, auf unterschiedlichen Anforderungsebenen zu arbeiten. So wird sich z.B. eine Schülerin im Mathematikunterricht, bei der sich noch keine Vorstellung von Brüchen aufgebaut hat, mit handlungsorientierten Additionsaufgaben beschäftigen. Zeitgleich wird ein Mitschüler, für den die Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division von Brüchen kein Problem darstellt, Aufgaben bearbeiten, die ihn herausfordern, seine Kenntnisse mit anderen mathematischen Kenntnissen zu verknüpfen und realitätsnahe komplexe Problemstellungen zu bearbeiten.

differenzierte Aufgabenformate

In Arbeitsaufträgen ist die Niveaustufe oder der Schwierigkeitsgrad einer Aufgabe transparent ausgewiesen. Im Sinne aufsteigender Lernentwicklung beginnen unsere Schüler häufig mit Aufgaben auf Anforderungsebene 1, um bei erfolgreicher Bearbeitung Aufgaben auf Anforderungsebene 2 bzw. 2+ zu bearbeiten. Je nach individuellem Lernstand setzen die Schüler nach Absprache mit der Lehrkraft auch direkt bei Aufgaben auf höherer Anforderungsebene ein oder erhalten besondere Unterstüzungsangebote.

Die Erfahrungen der vergangenen 6 Jahre zeigen, dass sich Lernende innerhalb kurzer Zeit bezogen auf das aktuelle Themengebiet recht gut selbst einschätzen können. Es gibt kaum Kinder, die sich selbst unterfordern oder überfordern. Die Lehrkraft berät und unterstützt sowohl bei der Auswahl als auch bei der Bearbeitung der Aufgaben.

Klassenarbeiten

Klassenarbeiten an der IGS Lengede haben das primäre Ziel, den aktuellen Kompetenzstand des Lernenden festzustellen. Diese Information gibt unseren Schülern und Eltern regelmäßiges Feedback über Stärken und Schwächen innerhalb eines Fachs. Lehrkräfte erhalten durch sie die notwendigen Informationen, um angemessene Herausforderungen für jeden Schüler zu stellen.

Zu jeder Aufgabe weisen wir aus, welche Kompetenz mit der jeweiligen Aufgabe überprüft wird und welcher Anforderungsebene oder welchem Schwierigkeitsgrad die Aufgabe entspricht.

Die sich daraus ergebenen Erkenntnisse sind themenbezogen, machen Stärken und Entwicklungspotenziale deutlich und geben für alle Beteiligten Hinweise zur Weiterarbeit. Klassenarbeiten in diesem Sinne sind hochgradig lernfördernd und fester Bestandteil des Unterrichtsprozesses.

Eigenverantwortliches Lernen

Im Stundenplan ist täglich eine Unterrichtsstunde EL (Eigenverantwortliches Lernen) ausgewiesen. In dieser Stunde bearbeiten die Schülerinnen und Schüler Aufgaben aus den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch, Naturwissenschaften und Gesellschaftslehre. Die zu bearbeitenden Aufgaben sind in über mehrere Wochen laufenden Arbeitsplänen aufgeführt. Auch sie enthalten Aufgaben auf drei Anforderungsebenen bzw. Schwierigkeitsgraden. Auf den Plänen gibt es von allen zu bearbeitende Basis-Aufgaben sowie Wahlaufgaben. Die Lehrkraft bereitet für einzelne Schüler - z.B. für im jeweiligen Themengebiet sehr leistungsschwache oder sehr leistungsstarke Schüler - zusätzlich oder alternativ Wahlaufgaben oder individuelle Aufgaben vor. Diese differenzierten Aufgaben tragen dazu bei, dass der Lernende von seinem Lernstand ausgehend auf die nächste Stufe der Kompetenzentwicklung gelangt.

Die Schüler erstellen montags eine Wochenplanung und legen fest, was sie an welchem Tag bearbeiten möchten. Dieses fördert die für das spätere eigenständige und lebenslange Lernen erforderliche Planungskompetenz.

Je nach Aufgabe sind die Problemstellungen in Einzelarbeit, zusammen mit einem Partner oder in einer Kleingruppe zu bearbeiten. Damit die entsprechende Arbeitsatmosphäre sichergestellt ist, gibt es unterschiedliche Räume. So ist es z.B. im "Ich-Raum" absolut still. Im "Du-Raum" wird in Flüsterlautstärke mit dem Partner gesprochen. Im "Wir-Raum", in denen in Gruppen gearbeitet wird, geht es es naturgemäß etwas lebhafter zu.

In jedem Raum steht eine Lehrkraft zur Unterstützung zur Verfügung. Die Aufgaben werden von den Schülern anhand von Lösungen selbst überprüft, um die Verantwortungsübernahme für den eigenen Lernfortschritt zu fördern. Zwei Mal pro Halbjahr werden die Aufgaben eines aktuellen Arbeitsplans eingesammelt und die Lehrkraft überprüft die Bearbeitung und Selbstüberprüfung. Schüler und Eltern erhalten eine Rückmeldung.

Hausaufgaben

Schülerinnen und Schüler müssen lernen, sich in häuslicher Umgebung zu konzentrieren und dort zu lernen. Daher planen die Schüler im Rahmen ihrer EL-Wochenplanung 30 Minuten Hausaufgaben pro Tag ein. Einige Schüler werden in den 30 Minuten mehr Aufgaben schaffen als andere. Das ist völlig in Ordnung. Wichtig ist, dass der häusliche Anteil ernstgenommen wird. Manche Schüler setzen die Hausaufgabenzeit bewusst flexibel ein und planen an einem Tag 60 Minuten ein, damit sie an einem anderen Tag zuhause nicht arbeiten müssen.

Traditionelle Fächer

An der IGS Lengede werden ab Jg. 5 die Fächer Deutsch, Mathematik, Englisch, Musik, Kunst, Sport und alternativ Religion oder Werte und Normen unterrichtet. Ab Jg. 6 kann als zweite Fremdsprache zwischen Spanisch und Französisch gewählt werden. Wird eine zweite Fremdsprache gewählt, so muss diese bis Ende Jg. 10 fortgeführt werden. Der Unterricht in der zweiten Fremdsprache erfolgt ausschließlich auf gymnasialem Niveau.

Naturwissenschaften und Gesellschaftslehre

Das Fach Naturwissenschaften umfasst die Fächer Physik, Chemie und Biologie. Das Fach Gesellschaftslehre umfasst die Fächer Erdkunde, Geschichte und Politik. Aus unserer Sicht bringt die Fächerverbindung zwei zentrale Vorteile. Zum einen können sich bedingt durch die höhere Wochenstundenzahl Schüler intensiver mit dem aktuellen Inhalt beschäftigen. Lernpsychologisch hat es Vorteile, sich innerhalb der Woche nicht ständig mit neuen Themen beschäftigen zu müssen, sondern sich über einen längeren Zeitraum auf weniger Themen konzentrieren zu können. Zum anderen gibt es sowohl in den Naturwissenschaften als auch in den Gesellschaftswissenschaften zahlreiche Themenbereiche, die nur fächerübergreifend bzw. fächerverbindend zu verstehen sind. Z.B. ist das Thema "Wasser" unter Einbeziehung der physikalischen, der chemischen und der biologischen Perspektive deutlich effizienter zu betrachten sowie lernpsychologisch vorteilhaft im Vergleich zur Behandlung des gleichen Themas in drei verschiedenen Fächern zu unterschiedlichen Zeiten.

Arbeit-Wirtschaft-Technik

Das Fach Arbeit-Wirtschaft-Technik umfasst - je nach Jahrgang - Themenschwerpunkte aus den Bereichen Textiles Gestalten, Werken, Technik, Hauswirtschaft einschl. Kochen, EDV/Computer/Kommunikation und Wirtschaft. Die Themenbereiche Berufsorientierung und Praktikumsvor- und nachbereitung sind ebenfalls bei dem Fach angesiedelt. Im Fach AWT wechseln sich praktische, handlungsorientierte und lebensnahe Unterrichtsphasen mit Theoriephasen ab.

Wahlpflichtkurse

Wahlpflichtkurse werden ab Jg. 7 von den Schülern für jeweils zwei Jahre ihren Neigungen und Interessen entsprechend gewählt. Vier Stunden pro Woche beschäftigen sich die Lernenden zusammen mit der Lehrkraft intensiv mit einem fachübergreifenden und komplexen Themenbereich. Ab Jg. 9 dienen die Wahlpflichtkurse auch der Berufs- oder Studienorientierung. Die Jugendlichen lernen in dem berufsnahen Profil die entsprechende Berufsrichtung vertieft kennen.

Ganztagsangebote

Die IGS Lengede rhythmisiert den Tagesablauf, sodass sich ein Wechsel aus Anspannungs- und Entspannungsphasen ergibt. Als Ganztagsschule können wir so den Kindern weitere für das Lernen und die Gesamtentwicklung wichtige Angebote unterbreiten. Anders als Halbtagsschulen können wir den traditionellen Fächerkanon ausweiten und zum Unterricht ergänzende und unterstützende Angebote bieten. Anders als an Offenen Ganztagsschulen vernetzen wir den Vormittagsbereich mit den AG-Angeboten.

Training

Sportler, egal ob Anfänger, Hobbysportler oder Profi, müssen bestimmte Übungen kontinuierlich wiederholen. Dazu gehört Konditionstraining genauso wie Aufwärmübungen für die Muskulatur. In Schule werden bestimmte Unterrichtsinhalte später nicht wieder systematisch aufgegriffen. Die einst vorhandenen Kompetenzen gehen verloren. Nicht zu unrecht beschweren sich Ausbildungsbetriebe und Universitäten z.B. über die mangelnden Rechenfähigkeiten ihrer Lehrlinge oder Studenten. Daher haben wir wöchentlich ein bis zwei Trainingsstunden in den Stundenplan eingebaut, in denen die Schüler von Klasse 5 bis Klasse 10 immer wieder zentrale Basisfähigkeiten wie Kopfrechnen, Leseverständnis oder Vokabeln trainieren.

Klassenrat

Der Klassenrat ist die Keimzelle der Demokratie in der Schule. Ein Mal wöchentlich sitzt dort die Klasse zusammen und bespricht Vorhaben, Probleme, Anliegen usw. Im Laufe der Zeit lernen die Schüler, den Klassenrat eigenständig zu leiten, sich darin sachangemessen und konstruktiv zu äußern und Kritik und Anregungen von Mitschülern anzunehmen und damit produktiv umzugehen.

Selbstorganisation

Auch viele Erwachsene sind nicht in der Lage, sich selbst optimal zu organisieren. Selbstorganisation kann erlernt werden. Dazu dient diese wöchentliche Stunde in Jg. 5. Dort lernen die Schüler systematisch die für die Woche anstehenden Aufgaben zu planen. Zusätzlich lernen Sie z.B. ein vernünftiges Ordnungs- und Ablagesystem sowie einen Terminplan zu führen.

Mittags- und Pausenangebote

Alle Schülerinnen und Schüler eines Jahrgangs essen bis Ende Jahrgang 8 gemeinsam Mittag. Die Entspannungs- und Auftankphase ist sowohl für den Körper als auch für die Psyche erforderlich. Mit leerem Magen lernt es sich nicht gut. Die IGS Lengede hat einen eigenen Mensabetrieb. Ein Koch, eine Hauswirtschaftlerin sowie 14 Mitarbeiterinnen bereiten täglich 6 unterschiedliche Menüs im Haus vor.

In den Pausen gibt es zahlreiche Snacks. Selbstverständlich wird auf gesunde Angebote und eine ausgewogene Ernährung geachtet. Genauso wichtig ist es jedoch, dass es den Kindern schmeckt!

In allen Pausen werden den Kindern Freizeitangebote gemacht. Die Schüler entscheiden selbst, ob sie diese annehmen oder unverplant die Zeit auf einem der zahlreichen unterschiedlich gestalteten Schulhöfen des großen Außengeländes nutzen.

Arbeitsgemeinschaften

Zu Halbjahresbeginn wählen die Kinder und Jugendlichen aus einem sehr großen Angebot ein für ein halbes Jahr gültiges zweistündiges Freizeitangebot. Dort kommen sie mit Schülern anderer Klassen, anderer Jahrgänge, mit Lehrkräften und mit externen Experten zusammen, um eine neue Freizeitbeschäftigung kennenzulernen, sich für die Gemeinschaft z.B. als Schulsanitäter oder Buslotse ausbilden zu lassen oder die eigenen Stärken in einem spezifischen Bereich weiter auszubauen.

Methodentraining

An der IGS Lengede gibt es weder eine Methodenstunde noch ein Methodenwoche oder Ähnliches. Methoden sind unabhängig von einem Inhalt weder erlernbar noch nutzbar. Insofern werden Methoden an der IGS Lengede im Fachunterricht erlernt, angewendet und eingeübt.

Wir haben hierzu ein schuleigenes Methodencurriculum entwickelt. Darin ist verbindlich festgeschrieben, wann welches Fach welche Methode systematisch einführt. Methoden, die universell nutzbar sind, werden nach der Einführung zeitnah in anderen Fächern genutzt. So ist sichergestellt, dass die Schüler Reichweite und Grenze der jeweiligen Methode erfahren.

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