Anforderungen an eine zeitgemäße Oberstufe

Die Welt ändert sich. Die Schule bleibt wie sie ist? In Lengede nicht! Um die Profiloberstufe Lengede verstehen zu können, bedarf es eines kurzen historischen Rückblicks sowie eines Blicks auf die traditionelle niedersächsische Oberstufe.

Kurswahlmöglichkeiten in traditionellen niedersächsischen Oberstufen

Oberstufen in Niedersachsen unterscheiden sich heute deutlich von denen in den 80er und Anfang der 90er Jahren. Konnten damals Leistungskurse und Prüfungsfächer relativ frei kombiniert werden, so sind heute die Kombinationsmöglichkeiten durch Rechtsvorgaben stark eingeschränkt. Die Wahl von ein oder zwei Prüfungsfächern schließt zahlreiche Fächer als weitere Prüfungsfächer aus. Manche Fächer können bei bestimmter Wahl der Prüfungsfächer nicht einmal mehr als Grundkurs belegt werden.

Manche Fächerkombinationen führen zu einer hohen und für den Lernenden nicht mehr leistbaren Wochenstundenzahl und schließen sich daher aus pragmatischen Gründen aus.

Die noch theoretisch vorhandenen Wahlmöglichkeiten wird keine Schule vollständig ermöglichen, da die Kurse eine bestimmte Mindestgröße haben müssen. Selbst in sehr großen Oberstufen ist es nicht möglich, dass die Schülerinnen und Schüler alle Wahlmöglichkeiten ausschöpfen können. Aus organisatorischen Gründen laufen bestimmte Kurse zeitgleich und schließen so die gemeinsame Anwahl aus. Um dieses Problem zu reduzieren, werden an einigen Schulen Oberstufenkurse zu Zeiten angeboten, die bis in den Abend hineingehen. Das führt im Laufe des Tages bei manchen Kurskombinationen zu einer großen Anzahl an Freistunden und einem Schultag, der von morgens 8.00 Uhr bis nach 18.00 Uhr reichen kann.

Manche Schulen schränken von vornherein die Wahlmöglichkeiten stark ein. Andere Schulen lassen erst einmal im Rahmen der Rechtsvorgabe wählen und streichen dann die zu gering angewählten Kurse. Die Schüler werden dann auf andere Fächer aufgeteilt.

Lehren und Lernen in traditionellen niedersächsischen Oberstufen

Seit Jahrzehnten steht das einzelne Fach im Mittelpunkt des Oberstufenunterrichts. Sowohl seitens der Wissenschaft als auch seitens der Wirtschaft wird dieses seit Langem äußerst kritisch gesehen. Besonders prägnant wird dieses in folgender provokant-pointierten Aussage:

"Die Gesellschaft hat Probleme. Die Schule hat Fächer." (Bastian/Combe/Gudjons 2000, S. 13)

Es steht heute außer Frage, dass die Welt nur verstanden, dass gesellschaftliche Probleme nur gelöst, dass berufliche Anforderungen in der immer komplexer werdenden Arbeitswelt nur dann erfüllt und dass private Herausforderungen nur dann bewältigt werden können, wenn interdisziplinär, systemisch und vernetzt gedacht und gehandelt wird. Um diese Fähigkeiten und Fertigkeiten bei den Oberstufenschülerinnen und -schülern systematisch und nachhaltig aufzubauen, ist neben einer fundierten fachlichen Grundbildung das fächerübergreifende, fächerverbindende und projektorientierte Lernen von zentraler Bedeutung. Da an traditionellen Oberstufen die Schülerinnen und Schüler ganz unterschiedliche Kurse wählen, ist ein systematisches fächerverbindendes und fächerübergreifendes vernetztes Arbeiten kaum möglich. Jedes Fach arbeitet für sich!

Der Weg der Veränderung

Um dieses bereits in den 80er Jahren erkannte Problem zu lösen, hat die Kultusministerkonferenz einen Modellversuch gestartet. Die Max-Brauer-Schule in Hamburg hat sich Mitte der 90er Jahren auf den Weg begeben, ihre Oberstufe zu reformieren. Begleitet wurde sie dabei von der Universität Hamburg. Die wissenschaftliche Auswertung des 2000 ausgelaufenen KMK-Modellversuchs hat den großen Erfolg dieser zeitgemäßen Oberstufenkonzeption bestätigt. Seitdem begeben sich bundesweit immer mehr Oberstufen auf den Weg, die Oberstufe zu einer Profiloberstufe umzubauen. Einige dieser Schulen sind bereits mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet worden. Darunter befindet sich neben der Max-Brauer-Schule auch die IGS Franzsches Feld in Braunschweig.

Anforderungen an eine moderne Oberstufe

Unter einer modernen Oberstufe verstehen wir eine Oberstufe, die die Jugendlichen

  • bestmöglich auf die Herausforderungen der immer komplexer werdenden Welt vorbereitet,
  • dazu befähigt, ihren Teil zur Lösung der großen gesellschaftlichen Probleme beizutragen,
  • mit Kompetenzen ausstattet, die für ein erfolgreiches Studium notwendig sind,
  • fit macht für die Arbeitswelt von heute und morgen.

Darüber hinaus berücksichtigt eine moderne Oberstufe

  • neueste Erkenntnisse der Lehr- und Lernforschung,
  • die für die Gesamtentwicklung erforderlichen sozialen Beziehungen,
  • die Interessenschwerpunkte der Schülerinnen und Schüler,
  • die Nutzung elektronischer Medien.

Nach Analyse wissenschaftlicher Berichte, nach Sichtung von Unterlagen als herausragend bewerteter Schulen, unter Berücksichtigung von Anforderungen unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen sowie unter Einbeziehung mehrjährigen Erfahrung in der innovativen eigenen Sekundarstufe I, wurde schulintern entschieden, am Standort Lengede eine Profiloberstufe aufzubauen.

In Lengede entsteht aktuell eine in diesem Sinne moderne Oberstufe. Die Grundlage bilden:

  • die wissenschaftlichen Erkenntnissen des Modellversuchs der KMK (Kultusministerkonferenz) der Max-Brauer-Schule Hamburg,
  • die praktischen Erfahrungen der in den vergangenen Jahren gegründeter Profiloberstufen an Gymnasien und Gesamtschulen,
  • die umfangreiche systemische Erfahrung mit kompetenzorientiertem, fächerübergreifendem und projektorientiertem Arbeiten in der Sekundarstufe I der IGS Lengede.

Wir freuen uns, dass nun auch die Schülerinnen und Schüler des Landkreises Peine sowie der angrenzenden Region die Möglichkeit haben, eine als Profiloberstufe gestaltetet gymnasiale Oberstufe in erreichbarer Entfernung zu besuchen.

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